Ralf Müller

Streetworker 

Portrait Ralf Müller

Dass er einmal ein Jugend-Angebot in Niederösterreich leiten würde, damit hat Ralf Müller nicht gerechnet. Ursprünglich war sein Job, die Elektronik an Flugzeugen startklar zu machen. "Das ist eine sehr große Verantwortung, wenn Du als Letzter vor dem Abflug an einer Maschine mit 300 Leuten herumschraubst", erinnert er sich. Doch erfüllt hat ihn das offensichtlich nicht.

Prägende Erfahrungen im Freundeskreis und sein Zivildienst in Augsburg haben für den gebürtigen Bayern einen neuen Weg eröffnet und ihn schließlich nach Klosterneuburg geführt: Seit 2016 leitet Ralf Müller unser Angebot in der aufsuchenden Sozialarbeit, die GEH.BEAT Mobile Jugendarbeit.

"Wir bieten einfach unsere Persönlichkeiten an und die Jugendlichen merken schnell, dass wir sie ernst nehmen und wertschätzen", beschreibt der Sozialarbeiter. "Dafür geben wir den jungen Menschen einen Rahmen, um sich auszuprobieren und ihre Talente zu entfalten."

»Die Jugendlichen spüren, dass wir ihnen etwas zutrauen. Und so erleben sie Selbstwirksamkeit.«
Ralf Müller

Video: "Das kann man mit Geld nicht aufwiegen"

Ralf Müller: "Kann man mit Geld nicht aufwiegen"
Name:Ralf Müller
bei Pro Juventute:seit 2016
aktueller Job:Leitung GEH.BEAT Mobile Jugendarbeit Klosterneuburg
Ausbildung:
  • Lehre als Radio- und Fernsehtechniker
  • Studium Soziale Arbeit (Staatliche FH München)
bisherige Tätigkeiten:
  • Flugzeugelektroniker (Deutsche Lufthansa AG)
  • Zivildienst (individuelle Schwerstbehinderten-Betreuung)
  • Streetwork in der offenen Drogenszene Augsburg
  • Aufbau von zwei Jugend-Streework-Angeboten in Augsburg
  • Mobile Jugendarbeit im Bezirk Mödling
  • Sozialarbeiter in einer Notschlafstelle für suchtkranke Personen in Wien
  • fachliche Leitung Mobile Jugendarbeit Tulln

Beziehungen aufbauen

Was man für den Job in der mobilen Jugendarbeit mitbringen soll, fasst Müller so zusammen: "Man muss sich einfach für jugendliche Lebenswelten interessieren, gut zuhören und die Leute so sein lassen können wie sie sind." Das sieht er auch als eine große Kompetenz in seinem gesamten Team.

Besonders beeindruckt zeigt er sich von den kulinarischen Talenten der jungen Leute, die sein Angebot besuchen: "Die Jugendlichen dürfen oft zu Hause nicht kochen, sie machen es aber sehr gern", beschreibt er die Küchenerlebnisse im GEH.BEAT. "Auch da nehmen ihnen Erwachsene leider viel ab. Bei uns spüren sie Selbstwirksamkeit."

Schließlich geht es aus seiner Sicht gerade in der präventiven Sozialarbeit darum, Beziehungen aufzubauen, "damit sie uns vertrauen, wenn einmal der Hut brennt."

Etwas bewirken können

Und wie war das nun mit seinem Weg vom Hangar in die soziale Arbeit?

Ralf Müller hat im Zivildienst mit Schwerstbehinderten gearbeitet und hatte im Vergleich zu seinem technischen Beruf plötzlich ein deutlich geringeres Einkommen. "Da bekam ich schon einen anderen Blickwinkel auf die Menschheit an sich", erzählt er. "Ich wollte soziale Arbeit lernen und schauen, ob ich in dem Bereich etwas bewirken kann."

"Wir haben jeden Tag etwas zum herzlich Lachen mit den Jugendlichen, aber auch die traurigen Themen ", schildert der Streetworker. "Der hohen Verantwortung, die ich gegenüber den Jugendlichen und meinem Team habe, bin ich mir sehr bewusst."

Im Gegensatz zur Technik hält er am Ende eines Arbeitstages zwar kein fertiges Produkt in den Händen, aber das Gefühl hier "wirklich etwas bewirken zu können", so Müller. "Und das rührt mich sehr."

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