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Sozialpädagogische Wohngemeinschaften

Andrea Scharinger über die Keimzellen guten Lebens

75 Jahre Pro Juventute lassen uns dankbar zurückblicken und wir wissen, dass es unabdingbar ist, aus der Geschichte zu lernen. In den Gründungsjahren war es das traditionelle Familienbild, das die Entwicklung der Arbeit leitete. Dieses Bild alleine war in den folgenden Jahrzehnten nicht mehr tragfähig; es haben sich sozialpädagogische Wohngemeinschaften entwickelt, die ein professionalisiertes Format der Betreuung und Begleitung boten und heute noch bieten.

Porträt von Mag.a Andrea Scharinger von der Geschäftsführung der Pro Juventute
"Kinder und Jugendliche zu begleiten ist die schönste Aufgabe, die ich mir vorstellen kann", sagt Andrea Scharinger.
Ein Blick in die Zukunft

Das Jubiläum soll vor allem Anlass sein, einen Blick in die Zukunft zu werfen. Wie wird sich die Gesellschaft weiterentwickeln? Welche Änderungen in den Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe sind nötig? Was heißen diese Überlegungen für die aktuelle Situation?

Bei aller Offenheit für die nötigen Änderungen soll hier gesagt werden, dass sozialpädagogische Wohngruppen gut in die Zukunft geführt werden können. Sie bieten den heranwachsenden Kindern und Jugendlichen ein "Zuhause" mit altersadäquaten Unterstützungen und stellen somit die Basis für einen gelingenden Übergang in ein selbstständiges Erwachsenenleben dar.

Wohin aber sollen sich die Wohngemeinschaften entwickeln?

 

Pro Juventute ist in sechs Bundesländern tätig und es ist schwer verständlich, dass es auf Grund der landesgesetzlichen Regelungen auch sechs unterschiedliche Rechtsrahmen (mit Qualitätsmerkmalen) für unsere Angebote gibt. Sie bieten zwar eine Möglichkeit des Vergleichs, impulsieren bei dem einen oder anderen Thema. Aber: die Gruppengröße ist wohl ein zentraler Punkt für die Ausgestaltung des Lebens in den Wohngemeinschaften. So ist es nun ein qualitativ-strategisches Anliegen, die Gruppengrößen zu verkleinern beziehungsweise auch Änderungen in bestehenden Architekturen vorzunehmen, um in kleineren Gruppen begleiten zu können.

Ausbauen werden wir die, teilweise schon bestehenden, Zusatzangebote im Rahmen der Erlebnispädagogik, der Individualbetreuung und bei den Modellen für Auszeiten. Damit wollen wir den Bedürfnissen der einzelnen Kinder und Jugendlichen noch besser gerecht werden.

Leistungen mit dem, für und rund um das Kind werden zentrale Zukunftsthemen sein, nicht als Gegenpol sondern als Ergänzung zur Arbeit in den sozialpädagogischen Wohn- gemeinschaften, die wir nach wie vor als Keimzellen eines guten Lebens sehen. Pro Juventute steht für ein breites Angebot – der präventive und begleitende Bereich wird ausgebaut wie zum Beispiel mobile Angebote, Beratungsangebote für Jugendliche und teilstationäre Betreuung im Sinne von "zu Hause leben und tagsüber professionell begleitet werden". Die Notwendigkeit dieser Form einer Unterstützung wird steigen, wie zum Beispiel deutsche Entwicklungen zeigen. Die Klein- und Kleinstfamilie ist nicht mehr so tragfähig, manchmal völlig über- fordert, vor allem in Alleinerziehungssituationen (dabei sind wieder in erster Linie Frauen betroffen).

Sozialpädagoge und Jugendlicher gehen mit einem Hund spazieren.
Starke Individualisierung

Eine Intervention wird auch die Begleitung des Herkunftssystems sein, um Kindern und Jugendlichen einen Verbleib im Elternhaus zu ermöglichen – Eltern-Begleitfachkräfte könnten hier wesentlich unterstützen.

Für die sogenannten Care-Leaver wird es aufwändige Begleitformen brauchen, dabei hoffen wir auf Übereinstimmung und echtes Bekenntnis – auch der Kostenträger – für diese wichtige Hilfe.

Die Individualisierung ist ein Megatrend in der Gesellschaft, der sich im Tätigkeitsbereich von Pro Juventute ebenfalls auswirkt und wo wir neue Maßnahmen setzen werden müssen. Die bereits angeführten Beispiele zeigen die strategisch nötige Ausrichtung, um diesem gesellschaftlichen Trend zu entsprechen und weiterhin wirksam zu bleiben.

Eine Ausrichtung ist ebenfalls unabdingbar: die Sozialraumorientierung! Diesen Ansatz in der sozialen Arbeit (nach Prof. Dr. Wolfgang Hinte) werden wir verstärken und mehr und mehr die möglichen Leistungen danach ausrichten beziehungsweise mitgestalten. Dabei geht es um die Umsetzung der Prinzipien der Teilhabe und Integration.

Neben Hinte war es auch der renommierte Sozialpsychiater und Soziologe Prof. Dr. Dr. Klaus Dörner, der auf die Mitwirkung des bürgerschaftlichen Systems bei den Hilfe- und Pflegeleistungen hingewiesen hat. Der Bürger-Profi-Mix wird nicht nur zum neuen Leit- bild, sondern als Grundlage zur nötigen konkreten Gestaltung der Lebenswelt der Menschen unabdingbar sein.

Als Pro Juventute stellen wir uns den Zukunftsherausforderungen und sind auf einem Entwicklungsweg, den wir bereits eingeschlagen haben. Es soll Strahlkraft von unserer Arbeit ausgehen und positive und gelingende Beispiele sollen den Weg bekräftigen. Das alles machen wir nicht für Schlagzeilen, sondern für die Verbesserung der Hilfestellungen für die Kinder und Jugendlichen, die wir begleiten und betreuen. Wir sind überzeugt, dass wir damit auch künftig qualifizierte Mitarbeiter*innen gewinnen werden.

Zur Autorin:

Mag.a Andrea Scharinger, ausgebildete Wirtschaftspädagogin, war Studiengangsleiterin an der FH Oberösterreich (Fakultät für Gesundes und Soziales) und arbeitete als Führungskraft in Social-Profit-Unternehmen. Seit 2013 ist sie in der Geschäftsführung von Pro Juventute.

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