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Raus aus der Bubble

Politische Bildung in der Kinder- und Jugendhilfe

Unsere Geschäftsführerin Andrea Scharinger und Diplompädagoge Andreas Trummer reflektieren in der Fachzeitschrift Sozialpädagogische Impulse Brückenschläge zur Demokratiebildung. Sie weisen darauf hin, dass Untersuchungen auf ein weitgehend unbestimmtes Verhältnis von sozialer Arbeit und demokratiepädagogischen Ansätzen verweisen.

Doch dabei gibt es auch eine gute Nachricht: "Viele Brückenpfeiler stehen bereits und warten nur darauf, mit demokratiebildender Brille erfasst zu werden", so die Autor*innen. "Demokratie im größeren Rahmen ist auf das Wir angewiesen, auf langfristige und mitunter mühsame Prozesse des Aushandelns."

In engem Zusammenhang damit steht also die Frage, inwieweit dies den zunehmend um Selbstoptimierung bemühten Generationen gelingt. Auch wo Aspekte von Gemeinschaft oder Kritikfähigkeit Beachtung finden und wo sie in der politischen Bildung zum Tragen kommen, müsse dabei berücksicht werden.

Gespräch einer Sozialpädagogin mit einem Jugendlichen mit heißem Getränk und Keksen.
Rahmen und Räume

"Für Prozesse der Selbstermächtigung und Partizipation braucht es in sozialpädagogischen Wohngruppen einen klaren, verbindlichen und begleiteten Rahmen", argumentieren Scharinger und Trummer. Selbiges gelte auch für den Transfer in die politische Bildung: "Die Auseinandersetzung mit virulenten Themen wie dem Klimawandel und Populismus brauchen ihren eigenen Raum."

Besondere Lebenssituation

Demokratie muss von jeder Generation aufs Neue erlernt und mitgestaltet werden. Dabei sind Kinder und Jugendliche in Fremdunterbringung allerdings mit der Besonderheit ihrer Lebenssituation konfrontiert: "Den lapidaren politischen Kommentar eines Elternteils beim Zeitunglesen werden diese jungen Menschen schwerlich miterleben und die Fachkraft wird sich heikle politische Diskussionen im Dienst verkneifen."

Erlebte Einschränkung als Demokratieerfahrung

Hinzu kommen Erfahrungen der unfreiwilligen Fremdunterbringung, der Nicht-Achtung ihrer Rechte und Grenzen, sowie der Einschränkung von Privat- und Intimsphäre. Umso mehr muss sich die Sozialpädagogik damit beschäftigen, wie und in welchen Räumen sich junge Menschen Demokratie aneignen und Selbstwirksamkeit in gesellschaftlichen Prozessen über die WG-Grenzen hinaus erfahren können.

Für Scharinger und Trummer lohnt deshalb die Betrachtung unter einem breiten Demokratiebegriff: Es gehe nicht nur um Mehrheitsentscheide und/oder Abstimmungen unterschiedlichster Art, sondern vielmehr um kommunikative Aushandlungen und um eine diskursive Beschäftigung mit einander verbundenen Problembereichen.

So schließen sich die beiden Autor*innen dem Aufruf von Bundespräsident Alexander van der Bellen an, der in seiner Eröffnungsrede bei den Salzburger Festspielen 2023 angeregt hat "über unsere Bubble hinauszublicken" und neues Terrain zu beschreiten. "Denn auf diese Art bekommen wir dann auch Ausschnitte der Realität zu sehen, die wir anders nie zu Gesicht bekommen hätten", so das österreichische Staatsoberhaupt.

Weiterführende Informationen:

Über die Autor*innen:

Mag. Andrea Scharinger:
Studium der Wirtschaftspädagogik; Dipl. Organisationsberatung, Personalentwicklung und Supervision; seit 1990 tätig in leitender Funktion im Bildungs- und Sozialbereich mit Schwerpunkt Personalwesen und Bildung; seit 2013 Geschäftsführerin der Pro Juventute Soziale Dienste GmbH

Dipl.-Päd. Univ. Andreas Trummer, M.Sc., Bakk. Phil.:
Studium der Erziehungswissenschaft, Kunstgeschichte und Human Resources Management; seit 2012 in unterschiedlichen Feldern der Kinder- und Jugendhilfe tätig; aktuell verantwortet er das Nahtstellenmanagement bei Pro Juventute

Über den Fachartikel:

Die Sozialpädagogischen Impulse sind das österreichische Fachorgan zur Orientierung und Fortbildung im Bereich Sozialpädagogik. Sie werden vom Bundesinstitut für Sozialpädagogik herausgegeben.

Der Artikel "Raus aus der Bubble – Politische Bildung in der Kinder- und Jugendhilfe" ist im Oktober 2023 erschienen und in der Vollversion kostenpflichtig bestellbar.

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