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Wie weit geht Beteiligung?

Beteiligungsprozesse in der Praxis stationärer Kinder- und Jugendhilfe

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es: Partizipation stellt sich nicht aufgrund guter Absichten von selbst ein, sondern braucht impulsgebende Prozesse und Akteur*innen. Unsere Geschäftsführerin Andrea Scharinger und Diplompädagoge Andreas Trummer beschreiben in der Fachzeitschrift Unsere Jugend drei Beispiele aus der Praxis.

"Partizipation als Kinderrecht und zentraler Wirkfaktor in der Kinder- und Jugendhilfe ist ein in unserer Organisation allgemein geteilter Wert", der bisweilen als selbstverständlich angesehen werde, so die beiden Autor*innen.

Gespräch eines Sozialpädagogen mit einer Jugendlichen auf einer Bank.
Konflikt um Beteiligung
Selbstbestimmung und Sorge

Partizipation erscheint dabei einerseits als etwas, das für die Kinder und Jugendlichen hergestellt, bisweilen verordnet werden muss. Von öffentlichen und freien Trägern werden deshalb Projekte und Initiativen angestoßen, um Beteiligungsprozesse dauerhaft zu implementieren.

Herausforderung für Fachkräfte

"Dort, wo sich Beteiligung aber quasi ohne Zutun entwickelt in der Selbstbestimmung von Kindern und Jugendlichen, gerät sie oft in Konflikt mit der sozialpädagogischen Sorge", schreiben Scharinger und Trummer: Der jugendliche Wunsch nach uneingeschränkter Mediennutzung beispielsweise habe noch jede beteiligungsorientierte Fachkraft vor Herausforderungen gestellt.

SozialpädagogIinnen stehen mit Jugendlichen  vor einer Graffiti-Wand. Daneben stehen Graffiti-Dosen.
Individuell umsetzen
Inwieweit gibt es ein Mitspracherecht?

Partizipation sei zwar als Recht und Wert breit verankert, so die Argumentation, sie müsse aber individuell umgesetzt und diskursiv hergestellt werden. So lasse sich die Abstufung von Beteiligung auch auf mögliche weitere Akteure ausweiten: Inwieweit haben etwa Herkunftssystem und wichtige Bezugspersonen für die Kinder und Jugendlichen ein Mitsprache- und Gestaltungsrecht im Betreuungsprozess?

Wie gelingt Beteiligung?

Im Rahmen seiner Master-Thesis hat Andreas Trummer etwa erforscht, welche Faktoren für gelingende Partizipation relevant sind und auch hier eine Ambivalenz aufgezeigt: Einer diesbezüglich offenen Haltung stehen nämlich Aspekte von Überforderung, Unsicherheit und Kontrollverlustängste bei Mitarbeiter*innen gegenüber.

Ein Paar erwachsener Hände reichen Erde mit darin wachsendem Sprössling an Babyhände.

In dem Fachartikel stellen Scharinger und Trummer drei Projekte vor, die darstellen, wie sich Pro Juventute auf den Weg zu mehr Beteiligung macht.

Drei Häuser in einem

Ausgangspunkt für dieses Projekt war der Wunsch des Pro Juventute-Präsidiums, einen direkten Dialog zwischen den Mitgliedern der Generalversammlung (Aufsichtsgremium) und den begleiteten Kindern und Jugendlichen zu ermöglichen, was in dieser Form noch nie stattgefunden hatte. In der gemeinsamen Diskussion stellte sich auch heraus, dass sich die Kinder und Jugendlichen nur schwer vorstellen konnten, was es mit der Generalversammlung und ihren Aufgaben auf sich hat und wie Pro Juventute als zentrale Gestalterin ihrer Lebensbedingungen überhaupt organisiert ist. Daraus entstand die Idee, eine kindgerechte Broschüre zum Thema zu gestalten. "Wie funktioniert Pro Juventute eigentlich?" ist das Ergebnis dieser Bemühungen.

Jugendliche setzt zum Schuss mit Pfeil und Bogen an. Neben Ihr steht ein Trainer.
Moverz
Beteiligungsprozess der KJH OÖ

Moverz ist ein breit angelegter Prozess, der organisationsübergreifend von der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe Oberösterreich angestoßen und begleitet wird. Er vereint die Perspektiven von zirka 500 Kindern, Jugendlichen, pädagogischen Fachkräften, Sozialarbeiter*innen, Vertreter*innen der Kinder- und Jugendhilfe und des Vereins Sozialpädagogik OÖ sowie künftig auch Eltern, die sich für ihre Institutionen und Wohngemeinschaften einbringen. Hauptfokus ist die Unterstützung von Wohngemeinschaften durch Prozessbegleiter*innen und Buddies mit dem Ziel, Beteiligung zu fördern und zu erhöhen.

Jeweils zwei Partner-WGs unterschiedlicher Träger besuchen sich wechselseitig, um sich auszutauschen und gemeinsame Aktivitäten zu gestalten. Mittlerweile sind die Treffen zum Fixpunkt im Programm der Partner-WGs geworden und sowohl die jungen Menschen als auch die Fachkräfte lernen von den Lösungen der anderen.

Gespräch eines Sozialpädagogen mit einer Jugendlichen mit heißem Getränk.

Ein Projekt, das gerade in Entwicklung ist, beschreiben Scharinger und Trummer ebenfalls in ihrem Artikel:

"Wir heiraten"

2019 wurden von FICE Austria Qualitätsstandards in der stationären Kinder- und Jugendhilfe veröffentlicht, die unter breiter Beteiligung von Kinder- und Jugendhilfe-Einrichtungen in Österreich erarbeitet worden sind. Ziel war es, bei unterschiedlichen Qualitätsvorgaben der Länder einheitliche Richtlinien für die Betreuung und Qualitätssicherung zu schaffen. Ähnliche Ziele standen bei der Schaffung des internen pädagogischen Qualitätsmanagements (pQM) von Pro Juventute im Fokus.

Mit der "Heirat" von pQM- und FICE-Standards wird bei Pro Juventute ein organisationsweiter partizipativer Reflexionsprozess angestoßen. Durch die genauere Betrachtung der FICE-Standards konnten wir bereits viele Gemeinsamkeiten, aber auch neue inspirierende Ansätze entdecken.

Mitarbeiter*innen wie Kinder und Jugendliche müssen Partizipation im (beruflichen) Alltag erleben können. Diese Kultur wird als grundlegend dafür erachtet, dass Mitarbeiter*innen das eigene Erleben von Beteiligung und Selbstwirksamkeit weitergeben und um Professionalität und Selbstfürsorge erhalten zu können. Nur so können unsere Angebote der Kinder- und Jugendhilfe auch zu Lernorten der Beteiligung werden, in denen für junge Menschen erfahrbar wird, dass sie durch ihre Partizipation etwas erreichen können und aktiv an der Sicherung ihrer Rechte teilhaben können.

Weiterführende Informationen:

Über die Autor*innen:

Mag. Andrea Scharinger:
Studium der Wirtschaftspädagogik; Dipl. Organisationsberatung, Personalentwicklung und Supervision; seit 1990 tätig in leitender Funktion im Bildungs- und Sozialbereich mit Schwerpunkt Personalwesen und Bildung; seit 2013 Geschäftsführerin der Pro Juventute Soziale Dienste GmbH

Dipl.-Päd. Univ. Andreas Trummer, M.Sc., Bakk. Phil.:
Studium der Erziehungswissenschaft, Kunstgeschichte und Human Resources Management; seit 2012 in unterschiedlichen Feldern der Kinder- und Jugendhilfe tätig; aktuell verantwortet er das Nahtstellenmanagement bei Pro Juventute

Über den Fachartikel:

Unsere Jugend ist eine unabhängige Fachzeitschrift für Studium und Praxis der Sozialpädagogik. Sie bringt aktuelle Beiträge zur Situation von Kindern und Jugendlichen und ihrem sozialen Umfeld und bietet einen umfassenden Überblick über die Sozialpädagogik im Jugendbereich und fördert deren Weiterentwicklung durch Fachbeiträge und kritische Stellungnahmen.

Der Artikel "Wie weit geht denn die Beteiligung? Beteiligungsprozesse in der Praxis stationärer Kinder- und Jugendhilfe" ist im September 2023 erschienen und in der Vollversion kostenpflichtig downloadbar.

Downloads:
Broschüre
Wie funktioniert Pro Juventute eigentlich?
pdf
700.11 KB
download
Master-Thesis
Personalentwicklung zur Sicherung von Kinderrechten in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe
pdf
1.15 MB
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