Mit 18 in die Unterstützungslosigkeit

#Careday25: Was Care Leaver brauchen

Mit 18 Jahren endet für viele junge Menschen aus der Kinder- und Jugendhilfe abrupt jede Unterstützung – ohne familiären Rückhalt, ohne finanzielle Sicherheit, oft ohne Perspektiven. Bei einer großen Fachtagung an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt setzen sich Care Leaver am 21. Februar 2025 gemeinsam mit führenden Trägerorganisationen für dringend notwendige Verbesserungen ein.

Ein unfairer Start ins Erwachsenenleben

Während junge Menschen, die in Familien aufwachsen, statistisch erst mit 25 Jahren ausziehen, stehen Care Leaver oft mit 18 Jahren plötzlich vor existenziellen Herausforderungen: Wohnungssuche, Ausbildung, Arbeit – alles ohne ein stabiles soziales Netz. „Care Leaver brauchen keine prekären Verhältnisse, sondern echte Chancen für ein selbstbestimmtes Leben!“, betont Alexandra Weiss vom Care Leaver Verein Österreich.

Geschäftsführung und Präsident der Pro Juventute
Dringender Handlungsbedarf

Wissenschaftliche Studien belegen: Der Übergang ins eigenständige Leben hat sich in den letzten Jahrzehnten massiv verändert – doch das Kinder- und Jugendhilfesystem hat darauf nicht ausreichend reagiert. Prof. Dr. Stephan Sting von der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt unterstreicht: "Care Leaver, die keine familiäre Unterstützung haben, sind mit zahlreichen strukturellen Barrieren konfrontiert. Die Folgen: höhere Armutsrisiken, Bildungsabbrüche, soziale Isolation."

Pro Juventute-Geschäftsführerin Andreas Scharinger sagt dazu: "Die Kinder - und Jugendhilfe sagt am Beginn einer Betreuung sichere und verlässliche Beziehungsangebote zu. Diese Zusage darf nicht mit dem 18. Geburtstag enden." 

Forderungen für eine gerechtere Zukunft

Der Care Leaver Verein Österreich sowie Organisationen wie Diakonie, Pro Juventute, Caritas, SOS Kinderdorf, Volkshilfe Wien, Kinder- und Jugendanwaltschaft Salzburg, Affido, Umbruchstelle, Arbeitskreis Noah, WG "Fühl dich wohl" – sowie der Dachverband Österreichischer Kinder- & Jugendhilfeeinrichtungen sind sich hier einig. "Ihr gemeinsames Auftreten verdeutlicht die Wichtigkeit", so Astrid Körner, Rektorin der Diakonie de La Tour.

Die Einrichtungen fordern daher:

  • Betreuungsmöglichkeiten bis zum 26. Lebensjahr, wie es in anderen europäischen Ländern bereits Standard ist.
  • Eine Rückkehrmöglichkeit in Betreuungseinrichtungen, wenn der erste Schritt in die Selbständigkeit scheitert. "Es bedarf dringend einer gesetzlichen Änderung, um eine Rückkehr zu ermöglichen", sagt Matthias Liebenwein, Leiter des Bereichs Kind, Jugend & Familie der Diakonie de La Tour.
  • Österreichweit Anlaufstellen für Care Leaver, um Beratung und Unterstützung zu sichern. "In der Phase des Leaving Care gibt es dringenden Handlungsbedarf. Wir sehen, wie wichtig und notwendig die neuen Care Leaver Anlaufstellen in Villach und Klagenfurt sind, die wir im Auftrag des Landes Kärnten betreiben können. Es gibt eine große Nachfrage und die Unterstützung in dieser Phase wirkt nachhaltig positiv", appelliert Liebenwein in Richtung bundesweiter Erneuerung.
  • Finanzielle Stützung des Care Leaver Vereins Österreich

 

"Care Leaver stehen oft am Abgrund. Nicht, weil sie gescheitert sind, sondern weil das System sie im Stich lässt", so Rebecca Blattner vom Care Leaver Verein. "Es geht nicht nur ums Überleben – es geht um ein Leben in Würde, Sicherheit und Hoffnung."

Am 21. Februar soll die Fachtagung ein starkes Zeichen setzen: für ein faires und chancengleiches System, das niemanden mit 18 Jahren ins Nichts fallen lässt.

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