"Das Wesentliche sind die Kinder"

Anfang September übergibt Andrea Scharinger ihre Verantwortung als pädagogische Geschäftsführerin an ihren Nachfolger. Kurz vor ihrem Abschied blickt Andrea Scharinger auf ihren Einstieg bei Pro Juventute zurück. Sie spricht über ihre Arbeit für junge Menschen, über Führung und darüber, warum der Austausch mit anderen für sie eine Quelle des Lernens ist.

"Kinder und Jugendliche zu begleiten ist die schönste Aufgabe, die ich mir vorstellen kann", sagt Andrea Scharinger.

Was hat Sie 2013 eigentlich zu Pro Juventute geführt?

Ich hatte den Wunsch, jungen Menschen eine gute Entwicklung zu ermöglichen. Nach einigen Berufsjahren im Altenbereich war das für mich ein bewusster Wechsel, denn in der Kinder- und Jugendhilfe geht es um Zukunft.

Wie haben Sie die Organisation damals erlebt?

Pro Juventute stand auf einer guten Basis und war aufgeschlossen für Neues. Aber es war spürbar, dass bereits länger zurückliegende Krisensituationen noch nachgewirkt haben. Rückblickend haben wir in dieser Zeit richtungsweisende Schritte gesetzt: weg von einer Arbeitsweise, die von Einzelpersonen abhängig war, hin zu gemeinsamen Prozessen und einer Kultur, die von Zusammenarbeit getragen wird.

Seither haben sich auch die Lebenswelten der jungen Menschen verändert. Wie ging Pro Juventute damit um?

Wir haben unser pädagogisches Angebot deutlich erweitert. Als ich begonnen habe, waren wir vor allem für unsere Wohngemeinschaften bekannt. Heute begleiten wir Kinder und auch ihre Familien mit einer deutlich breiteren Palette – von mobilen Leistungen über Kriseneinrichtungen bis hin zu intensivpädagogischen Wohnformen.

Mein Ziel war, dass wir Kinder und Jugendliche individueller betreuen können. Dadurch gelingt es uns besser, Übergänge zu gestalten und für unterschiedliche Lebenssituationen die passende Unterstützung bereitzustellen.

Worauf haben Sie als Führungskraft Wert gelegt?

Ich wollte die Situation vor Ort kennen und mit unseren Mitarbeiter:innen im Gespräch sein, damit ich verstehe, was die Kinder, die Jugendlichen und unsere Fachkräfte beschäftigt. Ebenso wichtig war mir, Verantwortung sichtbar zu übernehmen – gerade dann, wenn Gespräche oder Situationen herausfordernd waren.

Sie haben immer wieder über den eigenen Tellerrand hinaus geschaut. Warum hat das so eine hohe Bedeutung für Sie?

Ich bin überzeugt, dass wir nicht alles selbst wissen können. Daher sind Bildungsreisen, der Austausch mit anderen Trägern und Fachveranstaltungen mit renommierten Expert:innen für mich selbstverständlich. Gerade der Blick über die eigene Organisation hinaus hat beigetragen, unsere Arbeitsweisen zu professionalisieren.

Mehrmals forderten Sie eine „Kultur des Hinschauens“. Was genau meinen Sie damit?

Für mich geht es darum, Kinder und Jugendliche in ihrer gesamten Lebenssituation wahrzunehmen. Kinderschutz ist die Grundlage – aber das allein reicht mir nicht. Es geht darum, Entwicklungen früh zu erkennen, Familien einzubeziehen und möglichst bald Unterstützung anzubieten. Deshalb haben wir den Fokus vom einzelnen Kind auf das gesamte Familiensystem und auf den Sozialraum gerichtet. Es freut mich, dass diese Kultur des Hinschauens in den vergangenen Jahren sowohl bei Pro Juventute als auch in der Kinder- und Jugendhilfe insgesamt deutlich stärker geworden ist.

Wie gelingt es, in sieben Bundesländern eine gemeinsame Kultur zu leben?

Das war mir immer ein großes Anliegen. Trotz unterschiedlicher regionaler Anforderungen verbindet uns dieselbe pädagogische Haltung und ein gemeinsames Qualitätsverständnis. Prozesse helfen dabei, Zusammenarbeit zu ermöglichen – sie ersetzen aber nie den persönlichen Austausch. Es war mir einfach wichtig, zentrale und dezentrale Bereiche gut miteinander zu verbinden und neue Mitarbeiter:innen wirksam in unsere Kultur einzubinden.

Stimmt es, dass Sie in diesen 13 Jahren nur zweimal am Wochenende angerufen wurden?

Ja. Für mich ist das ein Zeichen dafür, dass unsere Mitarbeiter:innen den sozialpädagogischen Alltag mit großer Selbstwirksamkeit gestalten und dass die Rufbereitschaft unser Regionsleiter:innen gut funktioniert. Wir haben Strukturen verankert, die Eigenverantwortung ermöglichen und im Hintergrund Sicherheit geben.

Was wird Ihnen nach Ihrem Abschied am meisten fehlen – und worauf freuen Sie sich?

Am meisten werden mir die Begegnungen mit den vielen jungen Menschen fehlen – mit den Kindern und Jugendlichen ebenso wie mit unseren Mitarbeiter:innen. Diese Gespräche und die Dynamik der täglichen Arbeit haben mich immer bereichert. Gleichzeitig merke ich jetzt, wie viel Verantwortung ich in den vergangenen Jahren getragen habe. Das Loslassen fällt mir leichter, weil ich großes Vertrauen in meinen Nachfolger, in die Menschen und in die Strukturen bei Pro Juventute habe.

Was wünschen Sie Pro Juventute für die Zukunft?

Dass die Bereitschaft erhalten bleibt, sich weiterzuentwickeln, voneinander zu lernen und den Blick über die eigene Organisation hinaus zu richten. Und dass bei allen Veränderungen die Kinder und Jugendlichen im Mittelpunkt bleiben. Denn sie sind das Wesentliche und der Maßstab unseres Handelns.

Wie gelingt es, in sieben Bundesländern eine gemeinsame Kultur zu leben?

Das war mir immer ein großes Anliegen. Trotz unterschiedlicher regionaler Anforderungen verbindet uns dieselbe pädagogische Haltung und ein gemeinsames Qualitätsverständnis. Prozesse helfen dabei, Zusammenarbeit zu ermöglichen – sie ersetzen aber nie den persönlichen Austausch. Es war mir einfach wichtig, zentrale und dezentrale Bereiche gut miteinander zu verbinden und neue Mitarbeiter:innen wirksam in unsere Kultur einzubinden.

Stimmt es, dass Sie in diesen 13 Jahren nur zweimal am Wochenende angerufen wurden?

Ja. Für mich ist das ein Zeichen dafür, dass unsere Mitarbeiter:innen den sozialpädagogischen Alltag mit großer Selbstwirksamkeit gestalten und dass die Rufbereitschaft unser Regionsleiter:innen gut funktioniert. Wir haben Strukturen verankert, die Eigenverantwortung ermöglichen und im Hintergrund Sicherheit geben.

Was wird Ihnen nach Ihrem Abschied am meisten fehlen – und worauf freuen Sie sich?

Am meisten werden mir die Begegnungen mit den vielen jungen Menschen fehlen – mit den Kindern und Jugendlichen ebenso wie mit unseren Mitarbeiter:innen. Diese Gespräche und die Dynamik der täglichen Arbeit haben mich immer bereichert. Gleichzeitig merke ich jetzt, wie viel Verantwortung ich in den vergangenen Jahren getragen habe. Das Loslassen fällt mir leichter, weil ich großes Vertrauen in meinen Nachfolger, in die Menschen und in die Strukturen bei Pro Juventute habe.

Was wünschen Sie Pro Juventute für die Zukunft?

Dass die Bereitschaft erhalten bleibt, sich weiterzuentwickeln, voneinander zu lernen und den Blick über die eigene Organisation hinaus zu richten. Und dass bei allen Veränderungen die Kinder und Jugendlichen im Mittelpunkt bleiben. Denn sie sind das Wesentliche und der Maßstab unseres Handelns.

 

Interview: Martin Brandstötter
Fotos: Hannelore Kirchner

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