Ich glaube, ich kann es gut vergleichen, weil ich bin mit meiner Schwester da eingezogen. Sie ist sieben Jahre älter als ich. Als ich eingezogen bin, waren ich sieben und sie vierzehn. Und ich habe mich, glaube ich, sehr schnell damit abgefunden, dass das halt für mich ein zweites Zuhause, sage ich mal, ist. Sie hat sich aber nie wirklich darauf einlassen können. Sie war gerne da, aber für sie war das halt nie so richtig ein Zuhause. Sie ist dann auch, glaube ich, nach zwei, drei Jahren wieder nach Hause gezogen. (CL, Jonas: 138-144) Und deswegen glaube ich einfach, ist wirklich, wie die Kinder das aufnehmen und ob sie sich wirklich da wie daheim, sage ich mal, gefühlt haben. Und da kommt man öfter vorbei, weil man will seine Familie, sage ich mal, gerne besuchen. Aber wenn es halt Leute waren, wo man so denkt, ja, ich war halt mal da und das war halt ein Teil von mir, aber ja, das könnte auch eventu- ell da dran liegen. (CL, Mia: 154-159) Diese Kategorie der Verweildauer wird mit der Perspektive der Betreuer*innen konkreter. Sie setzt die Ver- weildauer in Relation zu den persönlichen Erfahrungen während dieser Zeit: Ma, ich denke, es wird/ Personenbezogen halten Betreuer noch Kontakt mit Kindern und Ju- gendlichen, die sie lange betreut haben. (B, Marion: 16-17) Ich glaube, das stellt sich immer die Frage, wie war die Betreuung während des WG-Aufent- halts, oder? (…) Und wie partizipativ war das Ganze? Wenn immer nur über mich entschieden wurde und ich nie mitreden durfte und mir der Kontakt verboten wurde zu den Eltern und hin und her, dass das dann vielleicht einmal so ein Befreiungsding oder eine Flucht/ (…) Zurück oder nach vorne, wie du es dann nennen willst, passiert. Und dann eher so ein Frust auf dieses System, und in dem Fall die WG ist, dass du dann sagst, nein, mit dem will ich nicht/ (B, Gün- ther: 514-527) Wie später in Punkt 6.1 sowie in Punkt 6.2 diskutiert wird, handelt es sich hierbei um keine unmittelbare Erklärung der Abwendung. Jedoch wertet der Autor diese insbesondere aufgrund der langjährigen Berufs- erfahrung der befragten Betreuer*innen als valide Annährung, um sie deshalb in die Theorie zu integrieren. Da sich auch bei dieser Untersuchungsgruppe die Kategorie der Unsicherheit nach dem Auszug, der je- weils von ihnen betreuten jungen Menschen identifizieren lässt, wird diese nachstehend mittels eines kur- zen Exkurses beleuchtet. 29