Krisenpflegeeltern als Zukunft für Babys und Kleinkinder
zurückDr. Wolff stellte eingangs bereits fest: "Es ist absolut unverantwortlich, Kinder unter drei Jahren in einer Institution unterzubringen, in welcher durch wechselndes Personal jeglicher Aufbau von Bindung verhindert wird. Bindung ist aber laut Forschung im Bereich der Psychologie, Pädagogik und sogar in der neuesten Gehirnforschung erwiesenermaßen lebensnotwendig".
"In unserer Institution verbringen die Kinder oft Monate und manchmal sogar Jahre", weiß Renate Heil, Leiterin des Krisenzentrums für Kleinkinder, zu berichten. Zu Anfang ist die Unterbringung gut. Die Kinder können zur Ruhe kommen und von schweren Erlebnissen Abstand nehmen. Nach drei Monaten bemerken wir aber, dass den Kleinkindern eine konstante Bezugsperson fehlt", begründet Heil.
Die Sozialarbeiterin und Psychotherapeutin Sonja Schachtner leitet das Pflegeelternzentrum der Pro Juventute in Salzburg. Das Pro Juventute Pflegeelternzentrum mit dem Schwerpunkt Ausbildung und Supervision wurde 2003 gegründet. Die fachliche Auseinandersetzung mit der Thematik von Pflege- und Adoptivfamilien, das Vorantreiben von sinnvollen Veränderungen im Pflegeelternwesen und die Vernetzung mit Experten und Vereinen zählen zu den zentralen Aufgabenstellungen des Zentrums. Im Rahmen ihrer Tätigkeit erlebt Schachtner immer wieder Kinder, die aufgrund der Krisenunterbringung zusätzliche Traumata erlitten haben, und Pflegeeltern, die mit diesen Schwierigkeiten kämpfen müssen. Schlafstörungen, Verlassenheitsängste und Entwicklungsstörungen sind oft Folgen des zu langen Aufenthaltes von Kindern unter drei Jahren in stationären Einrichtungen. "Dabei kümmert sich das Personal im Zentrum sicher so gut als möglich um die Kinder", stimmt ein betroffener Pflegevater, Günther Kienesberger, zu.
"Können wir denn wirklich nur zuschauen, wie unsere Kinder kaputt gemacht werden?", fragt eine Kinderpsychologin und trifft dabei auf hilfloses Schweigen in der Runde.
In anderen Bundesländern gibt es bereits Krisenpflegeeltern, die Kinder in Übergangszeiten zu sich nehmen. "In Oberösterreich haben wir mittlerweile 21 angestellte Krisenpflegeeltern, die sich liebevoll und professionell um diese Kinder kümmern", kann Notburga Rohrweck, Leiterin des Oberösterreichischen Pflegeelternvereins, stolz einbringen. Auch in Salzburg hat Pro Juventute ein solches Konzept bereits vor fünf Jahren ausgearbeitet und vorgelegt. Leider bisher ohne Resonanz, obwohl dringender Bedarf vorhanden ist, wie die Experten wissen.
"Jede Beziehung, die ein Kind eingehen kann, auch wenn sie von noch so kurzer Dauer ist, wirkt sich besser auf die Entwicklung der Kinder aus als keine Beziehung", sagt Wolff, der dies aus vielen Studien an erwachsenen Pflegekindern weiß. "Je mehr die Politiker in diesem Bereich sparen, umso teurer wird es später für die gesamte Gesellschaft", gibt Wolff zu bedenken.


