PÄDAGOGISCHE GRUNDSÄTZE

Pro Juventute Wohngemeinschaften: Pädagogische Prinzipien und Zielsetzungen (Auszug)

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1. Gemeinsam für und mit Kinder(n) und Jugendliche(n)
1.1.
Für die Kinder und Jugendlichen sind mit dem Aufenthalt im Bereich Wohngemeinschaften von Pro Juventute Chancen verbunden, die sie nutzen sollen/wollen. Wir sind uns bewusst, dass eine gelingende Betreuung nur gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen möglich ist.
 
1.2.
Kinder und Jugendliche sind in der Regel auf Grund problematischer Lebenssituationen bei uns. Sie haben im Unterschied zu anderen Kindern/ Jugendlichen meist einen erhöhten Betreuungs- und Förderbedarf, dem wir so gut wie möglich nachkommen.

1.3.
Die Betreuer/innen bemühen sich gemeinsam mit allen betreuten Kindern und Jugendlichen um ein überschaubares, lebensweltnahes Umfeld, das es jedem gestattet, sich wohl zu fühlen, sich selbst einzubringen, den eigenen Standpunkt zu vertreten und persönliche Anliegen zu äußern.

1.4.
Die Kinder und Jugendlichen werden alters- und entwicklungsgemäß wertschätzend in Entscheidungsprozesse eingebunden.
 
1.5.
Die Kinder und Jugendlichen erfahren eine empathische und kongruente Betreuung. Durch die Zuverlässigkeit und Kontinuität der Beziehungen auch in Krisensituationen, sowie das Ziehen von klaren Grenzen erleben die Kinder und Jugendlichen Sicherheit, Angenommensein, Geborgenheit und Vertrauen.

1.6.
Die Regeln und Rituale in den Einrichtungen sollen dem/r Einzelnen Sicherheit und Halt bieten und der Hausgemeinschaft die nötige Struktur für ein gedeihliches Zusammenleben geben. Anderseits sollen sie Einzelne aber nicht unnötig einschränken. Regeln und Rituale verstehen wir als sicher und beständig, nicht aber als endgültig und unabänderlich.
2. Leben und Lernen
2.1.
Die Betreuer/innen gewährleisten eine umfassende (emotional, kognitiv, motorisch und sozial), alters- und entwicklungsgemäße Anleitung, Unterstützung und Förderung der Kinder und Jugendlichen, ohne ihnen ihre Autonomie zu nehmen.

2.2.
Das Leben in den WGs von Pro Juventute bietet den Kindern und Jugendlichen sowohl vielfältige soziale Gruppenerfahrungen (Hilfestellung, Teilen, Abgrenzung, Konfliktregelung, Durchsetzungsvermögen, Affektkontrolle, etc.) als auch die Entfaltung individueller Persönlichkeit.

2.3.
In den WGs wird großer Wert darauf gelegt, die Kinder und Jugendlichen in das jeweilige Stadt- oder Dorfleben zu integrieren.
3. Verantwortungsvolles und bewusstes Handeln
3.1.
Im Wissen um die Vorbildwirkung von Erwachsenen praktizieren wir einen sorgsamen/maßvollen Umgang miteinander und mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen, um die Kinder und Jugendlichen zu einem eigen¬verantwortlichen Leben zu ermutigen. Jede/r übernimmt Verantwortung für sein Tun.

3.2.
Die Achtung individueller Rechte sowie Respekt und Akzeptanz allen Beteiligten gegenüber (Kindern/ Jugendlichen, Betreuer/innen, Eltern, Behördenvertreter/innen, Nachbarn, Mitarbeiter/innen in der Zentrale, u. a.) sind zentrale Werte. Konflikte werden als Chance zur Entwicklung des Gesamtsystems bzw. der Einzelpersonen gesehen, und es wird ein offener, konstruktiver Umgang mit auftretenden Schwierigkeiten und Problemen praktiziert.

3.3.
Wir arbeiten - wenn dies sinnvoll erscheint und von den Behördenvertreter/innen erwünscht ist - mit primären Bezugs-personen zusammen. Insbesondere im Hinblick auf eine mögliche Rückführung in die Herkunftsfamilie wird der Elternarbeit besonderes Augenmerk geschenkt.
 
3.4.
Erziehungs-/Betreuungsmaßnahmen werden unter Einbeziehung aller relevanten Personen systematisch geplant und umgesetzt. Zielsetzungen und Verläufe werden dokumentiert und auf Sinnhaftigkeit und Wirkung überprüft. 
4. Schritt für Schritt
4.1.
Wir berücksichtigen die unterschiedlichen Lebenslagen von Mädchen und Jungen und setzen uns für gesellschaftliche Gleichberechtigung ein.

4.2.
Den Kindern und Jugendlichen wird die Wichtigkeit der Wahrung von Menschenrechten vorgelebt und vermittelt. Das betrifft insbesondere das Erkennen und Akzeptieren von Bedürfnissen und Grenzen sowohl bei sich selbst als auch bei anderen.

4.3.Den betreuten Kindern und Jugendlichen wird ein maßvoller Lebensstandard geboten und vorgelebt, der für sie auch nach dem Ende der Betreuung lebbar und leistbar ist.

4.4.
Wir bieten den Kindern und Jugendlichen sowohl in Übergangs-zeiten als auch nach dem Auszug aus den WGs Sicherheit und Unterstützung.

4.5.
Jugendliche, die in die Selbstständigkeit verabschiedet werden, sind in der Lage ihr Leben großteils eigenständig zu bewältigen.

4.6.
Durch ständigen internen und externen Dialog gewährleisten wir, dass die sich verändernden gesellschaftlichen Gegebenheiten sowie neue wissenschaftliche Erkenntnisse in der Betreuungsarbeit Berücksichtigung finden. Die pädagogischen Prinzipien und die darauf basierenden Angebote/Leistungen werden laufend weiterentwickelt.

PRO JUVENTUTE ermöglicht Kindern und Jugendlichen in Österreich ein Leben in geschützter Gemeinschaft: voll Freude, mit Sinn.

Jeden Tag verlieren in Österreich 7 Kinder ihr Zuhause. Die Gründe dafür sind vor allem Überforderung in der Kindererziehung, Gewalt in der Familie, Vernachlässigung oder Verwaisung.

PRO JUVENTUTE hilft umfassend in unseren Wohngemeinschaften und gibt Kindern, welche im Auftrag des Jugendamtes ihrem häuslichen Umfeld entzogen werden, ein Zuhause und die Chance auf eine gesunde Entwicklung. Weitere Schwerpunkte von PRO JUVENTUTE richten sich auf Kinder-Tagesbetreuung und Beratungen in jeder Form.